Europäische Zentralbank (EZB)

06.06.2024
EZB startet die Zinswende
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit der Zinswende begonnen und die Zinssätze um 25 Basispunkte reduziert. Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte – wenn Kreditinstitute bei der EZB Geld ausleihen - liegt nun bei 4,25 Prozent. Der Einlagezins für Banken – wenn diese Geld bei der Zentralbank parken – bei 3,75 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz sinkt auf 4,50 Prozent, wie die EZB am 6. Juni nach der Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt bekannt gab. Am Finanzmarkt wurde diese Entscheidung erwartet.

In der Mitteilung der Zentralbank hieß es, dass der EZB-Rat weiter anhand der Datenlage und von Sitzung zu Sitzung entscheiden werde und sich nicht im voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlege.

Bei der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass die Entscheidung nicht einstimmig gefallen sei, es gab eine Gegenstimme. Sie bekräftigte auch die Vorgehensweise des EZB-Rats, dass von Sitzung zu Sitzung und Datenabhängig entschieden werde. Es sei für die Zukunft noch nichts festgelegt worden.

Der EZB-Rat hat ab Juli 2022 in einer beispiellosen Serie zehn Leitzinsanhebungen in Folge durchgeführt und das Zinsniveau um 4,50 Prozentpunkte erhöht. Anschließend wurden fünf Zinspausen in Folge durchgeführt. Höhere Zinsen verteuern Kredite, dadurch sinkt das Investitionsaufkommen der Unternehmen und der private Konsum, der eine wichtige Säule der Konjunktur ist, wird reduziert. Die Inflation wird rückläufig, im Gegenzug wird das Wirtschaftswachstum gebremst. Zu hohe Zinsen bremsen die Konjunktur zu stark ab und führen zu einer Rezession.

Die EZB hat ihre März-Projektionen teilweise revidiert. Die Zentralbank erwartet für 2024 eine durchschnittliche Gesamtinflation von 2,5 Prozent, für 2025 von 2,2 Prozent und für 2026 von 1,9 Prozent. Die Kerninflation – ohne Energie und Lebensmittel – sieht die Notenbank für 2024 bei durchschnittlich 2,8 Prozent, für 2025 bei 2,2 Prozent und für 2026 bei 2,0 Prozent.
Für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sehen die Projektionen ein Wachstum für 2024 von 0,9 Prozent, für 2025 von 1,4 Prozent und für 2026 von 1,6 Prozent vor.

Zum Vergleich die März-Projektionen:
Für 2024 erwartete die Zentralbank eine Preissteigerung von 2,3 Prozent, für 2025 von 2,0 Prozent und für 2026 von 1,9 Prozent.
Für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sah die März-Prognose für das Jahr 2024 ein Wachstum von 0,6 Prozent, für 2025 von 1,5 Prozent und für 2026 von 1,6 Prozent vor.

Zudem hat der EZB-Rat bestätigt, dass die Wertpapierbestände aus dem Pandemie-Notfallankaufprogramm (PEPP) in der zweiten Jahreshälfte 2024 um durchschnittlich 7,5 Milliarden Euro pro Monat reduziert werden.

Die nächste Sitzung findet am 18. Juli statt.
Von Stefan Wozabal

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